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C15H20N2O2, 274,364 g/mol – das ist 4-Pro-MET in der Sprache der Chemie. Systematisch heißt es 4-Propionyloxy-N-methyl-N-ethyltryptamin (IUPAC: [3-[2-[ethyl(methyl)amino]ethyl]-1H-indol-4-yl] propanoate). Klingt sperrig. Ist aber logisch aufgebaut, wenn man die drei Bausteine des Moleküls versteht. Hier lernst du, wie der Indolring funktioniert, warum die Propionyloxy-Gruppe als Transportverpackung dient und was 4-Pro-MET von verwandten Tryptaminen trennt. Keine Vorkenntnisse in organischer Chemie nötig.
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Das Tryptamin-Grundgerüst: Bauplan der Natur
Serotonin, Melatonin, Psilocybin, 4-Pro-MET, 4-AcO-DMT – sie alle teilen denselben Bauplan: einen Indolring mit Ethylamin-Seitenkette. Der Indolring? Ein Benzolring (sechs Atome), verschmolzen mit einem Pyrrolring (fünf Atome). An Position 3 des Pyrrolrings hängt die Ethylamin-Seitenkette – zwei Kohlenstoffatome mit einem Stickstoff am Ende. Dass Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) selbst ein Tryptamin ist, zeigt, wie tief dieses Gerüst in der Neurochemie verwurzelt ist.
Die SMILES-Notation von 4-Pro-MET: CCC(=O)OC1=CC=CC2=C1C(=CN2)CCN(C)CC – eine kompakte Zeichenkette, die die gesamte 3D-Struktur kodiert. PubChem-CID: 169222171. Was auffällt: Bis April 2026 wurde 4-Pro-MET keine CAS-Nummer zugewiesen. Für eine Substanz, die im chemischen Katalog existieren will, ist das ungewöhnlich. Psilocybin erhielt seine CAS-Nummer (520-52-5) in den 1960er Jahren, als Albert Hofmann die Substanz erstmals isolierte und synthetisierte.
Die drei Bausteine von 4-Pro-MET
Drei Teile, drei Funktionen:
- Der Indolring – das aromatische Rückgrat. Dieser bicyclische Ring passt in die Bindungstasche des 5-HT2A-Rezeptors wie ein Schlüssel ins Schloss. Ohne ihn keine Rezeptorbindung, kein serotonergenes Psychedelikum.
- Die Ethylamin-Seitenkette mit N-Methyl-N-Ethyl-Substitution – der Fingerabdruck. Am terminalen Stickstoff: ein Methylrest (CH3) und ein Ethylrest (C2H5). Diese Asymmetrie trennt 4-Pro-MET von Psilocin/Psilocybin (N,N-Dimethyl) und beeinflusst Rezeptorselektivität und Wirkprofil.
- Die Propionyloxy-Gruppe in Position 4 – die Transportverpackung. Ein Propionsäureester (-O-CO-CH₂-CH₃) am Indolring. Im Körper spalten Esterasen diese Gruppe ab, legen eine Hydroxylgruppe (-OH) frei – und 4-HO-MET, der aktive Metabolit, entsteht.
Wie unterscheidet sich 4-Pro-MET von verwandten Tryptaminen?
Zwei Stellschrauben, große Wirkung. 4-substituierte Tryptamine variieren in genau zwei Positionen: der funktionellen Gruppe an Position 4 des Indolrings und der N-Substitution an der Seitenkette. Klingt nach Feintuning – verändert aber Stabilität, Pharmakokinetik und Wirkprofil spürbar.
Position 4 im Überblick: Hydroxyl (-OH) bei 4-HO-Derivaten, Acetyloxy (-O-CO-CH3) bei 4-AcO-Derivaten, Propionyloxy (-O-CO-CH₂-CH₃) bei 4-PrO-Derivaten, Phosphoryloxy (-O-PO4H2) bei Psilocybin. Alle Ester-Varianten (AcO, PrO) und der Phosphatester (Psilocybin) sind Prodrugs – der Körper metabolisiert sie zum 4-HO-Derivat. Entscheidend ist die Hydrolyserate: Körzere Ester (Acetyl) werden schneller gespalten als längere (Propionyl), was den Onset beeinflusst.
Die N-Position: N,N-Dimethyl (DMT-Typ, symmetrisch), N-Methyl-N-Ethyl (MET-Typ, asymmetrisch), N,N-Diethyl (DET-Typ, symmetrisch). Bei 4-Pro-MET erzeugt die asymmetrische N-Me/N-Et-Substitution ein chirales Zentrum am Stickstoff – theoretisch zwei Enantiomere. Und wie fühlt sich der Unterschied an? Community-Berichte beschreiben den MET-Typ als visuell intensiver mit klarerem Headspace im Vergleich zum DMT-Typ. Kontrollierte Vergleichsstudien fehlen allerdings. Shulgin notierte in TiHKAL für 4-HO-MET eine Qualität, die 'a lot like psilocin' sei – aber mit wellenartigen Effekten.
Synthese-Grundlagen: Wie wird 4-Pro-MET hergestellt?
Mehrstufiges Verfahren, beschrieben für verwandte 4-Acyloxytryptamine in der wissenschaftlichen Literatur. Alexander Shulgin dokumentierte in TiHKAL (1997) eine zweistufige Synthese von 4-HO-MET ausgehend von 4-Acetoxyindol: erst Umsetzung mit Oxalylchlorid, dann Reaktion mit Methylethylamin, abschließend LiAlH4-Reduktion. Für die Propionyloxy-Variante (4-Pro-MET) bräuchte man einen zusätzlichen oder alternativen Veresterungsschritt.
Das Prodrug-Design: Schutzgruppen-Strategie
Die Propionyloxy-Gruppe ist kein Schmuck. Sie löst ein handfestes Problem: 4-Hydroxytryptamine wie 4-HO-MET oxidieren an der Luft. Die Hydroxylgruppe in Position 4 reagiert, die Substanz verfürbt sich dunkel, baut ab. Durch Veresterung mit Propionsäure wird die reaktive OH-Gruppe geschätzt. Die Ester-Bindung hält unter Lagerbedingungen, wird aber im Körper von Esterasen mühelos gespalten. Schutz draußen, Aktivierung drinnen – das ist Prodrug-Design auf den Punkt.
Kein Nischenkonzept übrigens: Etwa 10% aller zugelassenen Medikamente sind Prodrugs (Rautio et al., 2008, Nature Reviews Drug Discovery). Aspirin ist ein Prodrug von Salicylsäure. Codein von Morphin. Psilocybin von Psilocin. 4-Pro-MET folgt derselben Logik – mit einem Unterschied: Die Propionyloxy-Strategie stammt aus der Forschungschemie, nicht aus der Pharmaentwicklung. Klinisch optimiert ist sie nicht.
Fumarat-Salzform: Zusätzliche Stabilisierung
Auf dem Forschungsmarkt bekommst du 4-Pro-MET meist als Fumarat-Salz. Die Salzbildung mit Fumarsäure erhöht Stabilität und Wasserlöslichkeit – beides relevant für Lagerung und Handhabung. Aber Achtung: Das Fumarat-Salz wiegt mehr als die freie Base. Ein Teil der Masse entfällt auf die Fumarsäure, die effektive Dosis des aktiven Moleküls ist entsprechend geringer. Dosierungsangaben sollten deshalb immer klären, ob sie sich auf die freie Base oder die Salzform beziehen.
Struktur-Wirkungs-Beziehungen: Warum Form die Funktion bestimmt
Form bestimmt Funktion. Ein zusätzliches Kohlenstoffatom, eine Methylgruppe mehr – und Bindungsaffinität, Selektivität und Kinetik an den Zielrezeptoren verschieben sich. Bei 4-Pro-MET sind drei Merkmale pharmakologisch entscheidend.
Die N-Methyl-N-Ethyl-Asymmetrie
Psilocin und DMT tragen eine symmetrische N,N-Dimethyl-Gruppe – zwei identische Methylreste. 4-Pro-MET nicht. Hier sitzt eine asymmetrische N-Methyl-N-Ethyl-Substitution. Dieser zusätzliche Kohlenstoff am Ethylrest verändert räumliche Ausdehnung und Lipophilie der Seitenkette. Die Bindungsdaten für 4-HO-MET (Glatfelter et al. 2023) sprechen eine klare Sprache: Ki-Werte von 12 nM (5-HT2B) bis 177 nM (5-HT2A) – ein nicht-selektives Profil. Im Tiermodell (Head-Twitch-Response) zeigt der DMT-Typ (4-PrO-DMT) eine ED50 von 0,31 mg/kg. Ob der MET-Typ potenter oder schwächer ist? Experimentell nicht bestimmt.
Die Länge des Esters: Propionyl vs. Acetyl
Eine CH3-Einheit. Das ist der Unterschied zwischen der Propionyloxy-Gruppe von 4-Pro-MET und der Acetyloxy-Gruppe von 4-AcO-MET. Klingt wenig, beeinflusst aber drei Dinge: (1) die Lipophilie (länger = lipophiler), (2) die Hydrolyserate durch Esterasen und (3) die Stabilität der Ester-Bindung. Längere Ester widerstehen der Hydrolyse besser – was einen langsameren Onset erklären könnte. Gleichzeitig zeigt 4-PrO-DMT eine auffällig hohe 5-HT2B-Affinität (Ki: 17 nM). Möglicherweise ein Effekt der erhöhten Lipophilie, die die Membrängängigkeit steigert und dem nicht-hydrolysierten Prodrug direkte Rezeptorbindung ermöglicht.
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Jetzt bestellenHäufig gestellte Fragen zur 4-Pro-MET Chemie
Die Summenformel lautet C15H20N2O2 mit einem Molekulargewicht von 274,364 g/mol. Der systematische Name ist 4-Propionyloxy-N-methyl-N-ethyltryptamin. Die IUPAC-Bezeichnung ist [3-[2-[ethyl(methyl)amino]ethyl]-1H-indol-4-yl] propanoate. Die PubChem CID lautet 169222171.
Die Propionyloxy-Gruppe (-O-CO-CH₂-CH₃) ist ein Propionsäureester, der in Position 4 des Indolrings sitzt. Sie dient als 'Transportverpackung': Sie schätzt die instabile 4-Hydroxyl-Gruppe vor Oxidation an der Luft und wird im Körper durch Esterasen abgespalten, wobei 4-HO-MET (der aktive Metabolit) und Propionsäure freigesetzt werden.
Zwei Hauptunterschiede: (1) Position 4: Psilocybin hat einen Phosphatester (-O-PO4H2), 4-Pro-MET einen Propionsäureester (-O-CO-CH₂-CH₃). (2) N-Substitution: Psilocybin hat N,N-Dimethyl (symmetrisch), 4-Pro-MET hat N-Methyl-N-Ethyl (asymmetrisch). Beide sind Prodrugs – Psilocybin wird zu Psilocin, 4-Pro-MET wird zu 4-HO-MET metabolisiert.
Die Salzbildung mit Fumarsäure erhöht die chemische Stabilität und Wasserlöslichkeit. Das Fumarat-Salz ist unter Lagerbedingungen beständiger als die freie Base. Allerdings ist das Molekulargewicht des Salzes höher – ein Teil der Masse entfällt auf die Fumarsäure, wodurch die effektive Dosis des aktiven Moleküls pro Milligramm geringer ist als bei der freien Base.
Nein, Stand April 2026 wurde 4-Pro-MET keine CAS-Nummer (Chemical Abstracts Service) zugewiesen. Dies ist ein Indikator für die Neuheit der Substanz im offiziellen chemischen Katalog. Die Substanz tauchte erst im August/September 2025 als Novel Designer Drug auf dem Markt auf.